Mehrweg für den Einzelhandel – Interview mit PFABO-Gründerin Juliane Spieker

Nachhaltigen Konzepten gehört die Zukunft. Deshalb arbeitet inotec gerne mit innovativen Unternehmen zusammen, die unsere Welt ein Stück ökologischer machen. So wie mit der PFABO GmbH, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Mehrwegboxen im Lebensmitteleinzelhandel zu etablieren. Inotec-Expertin Kirstin Heidenwag hatte die Gelegenheit, mit Gründerin Juliane Spieker über ihre Idee, Hindernisse und Erfolge sowie die Zusammenarbeit mit inotec im Bereich Kennzeichnung zu sprechen.

Wie so oft beginnt die Geschichte des Start-ups PFABO mit einer alltäglichen Begebenheit: „Also PFABO von der Idee her ist 2018 entstanden, und zwar aus dem Selbstversuch heraus festzustellen beim Einkaufen: Mein Gott, was ist das an Verpackungsmüll, was man da bei jedem Einkauf mit nach Hause schleppt? Und warum gibt es keine Mehrwegverpackung für Lebensmittel?“

Ein Mehrweg-Pfandsystem für den Einzelhandel

Zusammen mit ihrem Bruder investiert Juliane Spieker daraufhin viel Zeit in Recherche sowie erste Produkt- und Pfandsystemideen. Ihr Bruder schreibt gar seine Masterarbeit über das Thema.

"Wir haben uns Obst- und Gemüsekisten näher angeschaut und sind relativ schnell auf inotec gekommen."

Herausgekommen ist PFABO (Abkürzung für „Pfandbox), eine modulare Kunststoff-Mehrweglösung in zuerst zwei Größen, die speziell auf die Bedingungen im Einzelhandel zugeschnitten ist – und mit einer simplen Barcodelösung praktisch überall einsetzbar ist.

Barcodes als ideale Kennzeichnungslösung

Diese Lösung wurde gemeinsam mit den Labelprofis des inotec Label-Competence-Centers entwickelt: „Wir haben einfach geguckt, wen es am Markt gibt, weil wir nach einer Lösung gesucht haben, Lebensmittelkontaktmaterialien einen Namen zu geben. Namen heißt, die Box eindeutig zu machen. Wir haben uns Obst- und Gemüsekisten näher angeschaut und sind relativ schnell auf inotec gekommen. Dann haben wir bestimmt ein halbes, dreiviertel Jahr zusammen entwickelt. Wie können wir es machen? Mit welcher Technologie gehen wir ran?

Wir sind dann auf den 2D-DataMatrix-Code und den GTIN gestoßen und gemeinsam mit inotec haben wir das ausgearbeitet und weiterentwickelt. Die erste Lösung wird gerade produziert und im Handel getestet. Wir sind auf dieses zweistufige Modell gegangen, weil wir gesagt haben: Den Barcode kann jetzt schon jede Kasse lesen und verarbeiten. Es ist kein Problem, das über die Kasse zu ziehen und fertig. Nun braucht es mehr Mut und Umsetzungswillen im Handel, um das auch weiter voranzubringen.“

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Denn Juliane Spieker geht es mit ihren PFABOs nicht primär um den eigenen Geschäftserfolg. Sie und ihr Bruder wollen vielmehr ein Umdenken bei allen Marktteilnehmer*innen erreichen, Mehrwegverpackungen alltagstauglich machen und Einwegverpackungen eindämmen. Über diese Vision spricht sie auch in unserem Videointerview: „Veränderung ist etwas, was im Kopf stattfindet, und was man dann ins Tun bringen muss. Ich glaube, diesen Schritt zu gehen ist möglich, wenn man den Anbieter hat, der einen auch begleitet. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt wenig Ausreden, um das nicht zu versuchen.“

Mehr zu PFABO erfahren Sie auf der Website sowie im nachfolgenden Interview, das Anfang April aufgezeichnet wurde. Sie haben keine Zeit, sich das Video anzuschauen? Eine leicht gekürzte, verschriftlichte Version des Gesprächs finden Sie weiter unten auf dieser Seite. 

Start-up PFABO setzt auf inotec-Label für digitales Pfandsystem

Start-up PFABO setzt auf inotec-Label für digitales Pfandsystem

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Interview mit PFABO-Gründerin Juliane Spieker (Transkript)

 

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Hallo Juliane, ich freue mich total, dass du dir heute Zeit nehmen konntest, mir ein bisschen was über PFABO und Eure PFABOS zu berichten. Aber bevor wir anfangen, wollte ich noch einmal meinen ganz herzlichen Glückwunsch ausdrücken zu eurem Red Dot Award. Habt ihr damit gerechnet?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Nein, überhaupt nicht und das überfordert uns tatsächlich auch ein bisschen.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ja, wieso?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ich höre ganz oft: „Warum sieht man euch nicht oder warum hat man euch erst so spät gesehen?“ Denn wir basteln ja schon zwei Jahre an der Idee. Wir sind tatsächlich eher zurückgenommen, weil wir uns komplett auf die Produktentwicklung konzentriert haben und nicht unbedingt nach außen gehen. Wir merken aber natürlich, dass das vermehrt kommen muss und der Red Dot ist für uns tatsächlich die Auszeichnung, dass wir gesagt haben: Nachhaltigkeit muss eine Bühne bekommen. Und deshalb freut es uns natürlich umso mehr, dass das geklappt hat.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Wenn wir gerade schon von der Idee sprechen: PFABO, PFABOS: Wer oder was ist PFABO und wofür steht ihr?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Also PFABO von der Idee her ist 2018 entstanden, und zwar aus dem Selbstversuch heraus festzustellen beim Einkaufen: Mein Gott, was ist das an Verpackungsmüll, was man da bei jedem Einkauf mit nach Hause schleppt? Und warum gibt es keine Mehrwegverpackung für Lebensmittel? Wir haben es uns tatsächlich einfacher gedacht, als es dann im Endeffekt ist. Jetzt wissen wir, warum es das noch nicht in der Form gibt, weil einfach die Anforderungen so immens hoch sind. Und wir uns natürlich auch die Königsdisziplin herausgesucht haben mit der Frische- und Bedientheke als erstem Step.

Ein Riesenanforderungskatalog und ein enormes Entwicklungspotential wartete dort auf uns. Mein Bruder hat dann tatsächlich seine Masterarbeit darüber geschrieben, weil wir auch den ganzen theoretischen Unterbau für uns wissen wollten. Er hat die ganze Konstruktion theoretisch fundiert aufgebaut und danach haben wir gesagt: Was machen wir jetzt damit? Packen wir es in die Schublade oder machen wir weiter? Und Schublade war für uns tatsächlich keine Option, deshalb haben wir gesagt: Okay, dann machen wir weiter – und aus der Idee der Masterthesis ist dann die Idee für PFABO entstanden. Wir haben uns dann jemanden aus der Branche dazu geholt, der einfach als Sparringspartner unterstützt, weil wir gesagt haben: Wenn wir sowas entwickeln, dann können wir das nicht am Markt vorbei entwickeln. Dann müssen wir reingehen und die, die es tatsächlich nutzen sollen, von Anfang an mit an Bord holen.

So ist die Idee entstanden und weitergeführt worden bis zum ersten Prototypen. Darüber hinaus gab es eine große Befragung und dann haben wir immer weiterentwickelt und geguckt: Wie können wir das Mehrwegsystem aufsetzen? Weil wir ja nicht nur eine Box auf den Markt bringen wollten, sondern tatsächlich ein ganzes System drumherum. Und da ist unsere größte Konkurrenz die Einwegverpackung, die ja wie sicherlich jedem bekannt ist, immer noch zu billig ist. Deshalb freut es uns umso mehr, dass es viele Marktteilnehmer gibt, die sich in dem Spektrum versuchen – wenig zwar noch im Lebensmitteleinzelhandel, vermehrt in der Gastro. Aber wir haben uns tatsächlich auf den Lebensmitteleinzelhandel konzentriert.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ich habe auch schon ein bisschen nachgedacht über das Thema, bevor ich jetzt heute mit dir spreche und ich sage immer so ein bisschen flapsig: An den Jutebeutel haben wir uns auch gewöhnt. Was denkt ihr? Wie lange wird es dauern, bis man den Endverbraucher überzeugt hat? Oder ist es schwieriger, eure Kunden zu überzeugen als die eigentlichen Endverbraucher?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ich glaube, die Endverbraucher*innen brauchen wir gar nicht groß überzeugen, die wissen tatsächlich, dass sich was tun muss. Ich glaube, es muss verstärkt Druck auf den Handel ausgeübt werden. Das heißt im Umkehrschluss: Wie können wir unsere zukünftigen Kund*innen dazu bewegen, auf Mehrweg umzustellen?

Mehrweg hat natürlich mehrere Stufen und ist nicht Single Use, sondern muss im Kreislauf geführt werden, was natürlich andere Anforderungen an das Produkt mit sich bringt. Das heißt, es muss spülmaschinengeeignet sein und so viele Zyklen wie möglich durchlaufen können.

Das heißt auch, logistisch muss dort mitgedacht werden. Lagerkapazitäten müssen mitgedacht werden. Die Euro-2-Transportkiste gibt es in den unterschiedlichsten Farben und Formen und Anwendungsgebieten und da haben wir natürlich den Fokus daraufgelegt, dass das ein Kernthema der Produktentwicklung ist und die Boxen dort gut hineinpassen. Ich würde mir wünschen, dass der Handel nicht erst darauf wartet, bis er gesetzlich gezwungen wird, Mehrweg zu nutzen, sondern das Nachhaltigkeitsthema nicht nur als Marketinginstrument nutzt, sondern tatsächlich ins Tun kommt.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Wie viele von den großen Drei-Liter-PFABOS passen in eine Euro-Kiste?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ineinander 16, wenn man den Deckel schließt, acht. Wenn sie übereinandergestapelt sind, lassen sie sich natürlich einfacher transportieren. Das hat natürlich den Sinn und den Zweck, dass man sie so effizient wie möglich im Kreislauf behält. Wenn man sich jetzt die großen anschaut, sind sie vom Umfang her noch relativ gut im Handling. Die kleinen sind natürlich noch besser, als Frau bekomme ich sie in eine Hand. Das ist natürlich für Unverpackt-Angebote wichtig. Ich muss sie unter den Spender halten können mit einer Hand.

Wir haben tatsächlich auch mal mit runden Boxen getestet und da liegt der Vorteil der eckigen auf der Hand. Ich kriege drei unserer Boxen und zwei runde in eine Kiste, einfach von den Abmaßen her.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ihr seid ja nicht die einzigen, die sich über dieses Thema Nachhaltigkeit und Recycling Gedanken machen. Wie unterscheidet ihr euch denn von euren Mitstreitern?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

In erster Linie finde ich es ganz wunderbar, dass sich so viele trauen, diesen Weg zu gehen, weil ich glaube, dass es noch mehr braucht, um Nachhaltigkeit auch langfristig gesehen in den Markt und in die Köpfe zu bekommen, mit den unterschiedlichsten Anwendungsfällen. Wir unterscheiden tatsächlich Gastro und Lebensmitteleinzelhandel sehr intensiv, weil die Anforderungen andere sind.

In der Gastro habe ich viel mit Take-away und verzehrfertigen Waren zu tun. Im Lebensmitteleinzelhandel, also wenn ich jetzt z. B. an die Fleisch- und Wursttheke denke, dann ist es ein anderes Anforderungszenario. Ich nehme die Lebensmittel mit nach Hause und bereite sie in den meisten Fällen zu. Sicherlich gibt es dort auch Take-away und Convenience-Produkte. Und dort sehe ich tatsächlich auch bei den Mitbewerbern den Unterschied zur Gastro. Da kann ich über eine Applösung beispielsweise sehr gut gehen, da gibt es ja auch die Hardware.

Im Supermarkt wird sich keiner eine App installieren oder eine zusätzliche Hardware implementieren. Es gibt ja Anbieter, die tatsächlich so arbeiten, dass es eine App für die Endverbraucher*innen und eine für den B2B-Kunden gibt. Das dann zu matchen im Supermarkt wird nicht funktionieren, zumindest nicht in der Form, wie es in der Gastro möglich ist. Das ist eine große Herausforderung.

Und dadurch unterscheiden wir uns auch, weil wir zwischen dem reinen Pfandsystem und einer Applösung in den Markt wollen, und zwar über die Schnittstelle des Kassensystems. Da müssen wir natürlich noch viel Aufklärungsarbeit leisten im Handel, warum das eine gute Lösung ist. Weil es natürlich nicht nur für uns, sondern auch für alle folgenden Anbieter eine Möglichkeit gibt, genauso günstig zu sein wie die Einwegverpackung. Denn nur über die das Auslesen der Nutzung können wir ein Pay-per-Use-Modell ansetzen.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ihr verkauft die Box also an euren Kunden und der Kunde gibt seinem Kunden die Box als Pfand.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ja, genau. Wir als Pfandgeber geben die Boxen an den Handel raus, der hinterlegt das Pfand für die Box, bekommt von uns die Boxen zugeschickt und reicht sie an die Verbraucher*innen weiter. Die zahlen das Pfand und kriegen es zurück, wenn sie die Box wieder abgeben. Das heißt, es ist ein durchlaufender Posten, der zwar im ersten Step nach Ausgabe aussieht, aber das tatsächlich nicht ist.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ich fand das sehr schön, wie ihr das auf der Webseite beschrieben habt. Die Boxen sind schon schön, aber sie sind nicht bunt und knallig, damit man eben vermeidet, dass man die 37. Box zu Hause in seiner Schublade ansammelt. Ich stelle mir das so vor, dass dann irgendwann in der Zukunft in meinem Einkaufskorb die PFABO mit drin ist, oder die PFABOS.

Aber wenn wir jetzt so darüber sprechen, dann ist das Thema Kennzeichnung schon echt wichtig.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Auf jeden Fall. Für uns ist das Auslesen von Nutzungen total wichtig. Nicht Nutzer, da muss man einen ganz krassen Unterschied machen. Wir wollen keine Nutzerdaten sammeln, das ist für uns nicht im Fokus, sondern uns geht es tatsächlich um die eindeutige Erkennung der Boxen. Das heißt im Umkehrschluss: Warum müssen oder wollen wir das machen? Also zum einen natürlich, weil es für uns ein Pay-per-Use-Modell ist und wir damit zeigen können: Wir können genauso günstig sein wie die Einwegverpackung. Und auch für den Handel, der sehen kann: Okay, die Box ist eingeloggt, ist sozusagen ausgebucht, und kann nicht zweimal abgerechnet werden. Das hat natürlich einen Sicherheitsaspekt.

Wir können außerdem Lieferketten sicher nachverfolgen. Das heißt, wir wissen immer, welche Verpackungen draußen beim Kunden oder in der Reinigung sind und auch, wie oft sie durch die Reinigung gegangen oder wie oft sie bis zum Ende tatsächlich im Zyklus gewesen sind.

Denn im Idealfall ist das Ende ja kein Ende, sondern wir wollen einen Loop schließen und aus unseren Verpackungen wieder neue Verpackungen machen. Das dauert natürlich noch, weil gerade in dem Segment die Mühlen etwas langsamer mahlen. Recycling ist ein großes Thema, aber auch da sehen wir großes Potenzial. Gerade auch, um andere Anbieter mit an Bord zu holen und Gespräche zu führen mit bestehenden Marktteilnehmern, die ein ähnliches Szenario fahren und auch im Moment noch keine neuen Boxen oder Bowls daraus generieren können. Wir wollen also keinen „Einmalkreislauf“ – einmal in Anführungszeichen –, sondern die Boxen als Wertstoff sehen und weiterverwenden.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Inwieweit konnte euch inotec dabei bei eurem Vorhaben bislang unterstützen?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Am Anfang sind wir ganz naiv rangegangen, da bin ich ganz ehrlich. Wir haben einfach geguckt, wen es am Markt gibt, weil wir nach einer Lösung gesucht haben, Lebensmittelkontaktmaterialien einen Namen zu geben. Namen heißt, die Box eindeutig zu machen. Und da sind wir ziemlich schnell auf inotec gekommen, weil wir natürlich geschaut haben, was es im Markt gibt. Und dann haben wir uns natürlich die Obst- und Gemüsekisten näher angeschaut und sind dann relativ schnell auf inotec gekommen. Und dann haben wir bestimmt ein halbes, dreiviertel Jahr zusammen entwickelt. Wie können wir es machen? Mit welcher Technologie gehen wir ran? Wir haben tatsächlich erst überlegt, über die RFID-Technologie zu gehen, haben das dann aber verworfen, weil wir nicht ausschließen können, dass die Box in der Mikrowelle landet. Und jeder, der schon mal Metall in die Mikrowelle gepackt hat, weiß, wovon ich spreche.

Wir sind dann auf den 2D-DataMatrix-Code und den GTIN gestoßen zusammen und haben das weiterentwickelt und dort arbeiten wir jetzt gemeinsam mit inotec. Die erste Lösung wird gerade produziert.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ich freue mich wirklich. inotec ist sehr stolz, dass wir euch unterstützen können.

Und vor allem hat man mit den Barcodes ja eigentlich wenig Probleme. Wirklich jeder kann die auslesen. Da kann eigentlich keiner eurer zukünftigen Kunden kommen und sagen: „Ach, da muss ich ja so viel neue Hardware installieren!“

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Genau, deshalb sind wir auch auf dieses zweistufige Modell gegangen, weil wir gesagt haben: Den Barcode kann jede Kasse lesen und verarbeiten.

Es ist kein Problem, das über die Kasse zu ziehen und fertig. Zukünftig wollen wir natürlich die Lesbarkeit des 2D-DataMatrix-Codes ausweiten, um die Eineindeutigkeit weiter voranzutreiben. Das ist sozusagen der Grund, warum zwei Codes bei uns drauf sind.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Wenn ihr jetzt ein bisschen weiterdenkt, raus aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Wo könntet ihr euch noch vorstellen, dass es noch unbedingt Mehrwegverpackungen braucht für unsere Ressourcen, für die Nachhaltigkeit? Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr euer Modell außer auf Gastro noch anderweitig ausweiten könnt?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Wo wir einen ganz, ganz großen Markt sehen, ist tatsächlich alles, was Lieferdienste angeht. Gar nicht mal die, die vom Restaurant zur Kundin und zum Kunden, sondern eher die Lebensmitteleinzel-Onlinehändler, die ihre Lebensmittel jetzt eingeschweißt verschicken. Convenience und alles, was Versandhandel ist, da sehe ich großes Potenzial. Ich glaube, da ist ein Riesennachholbedarf. Da gibt es schon ein, zwei gute Ideen, die auch umgesetzt und getestet werden. Da braucht es noch mehr Mut vom Handel und von Herstellern, in die Testung zu gehen, auch wenn es vielleicht zunächst unbequem erscheint.

Und ich glaube, dass es durchaus Vorteile hat, da mutig zu sein, auch mit Start-ups ins Gespräch zu gehen und gemeinsam nach Ideen und Lösungen zu suchen. So gehen wir ja auch ran. Wir sind nicht von vornherein sicher gewesen, dass es genau so klappt und wir nehmen uns nach wie vor nicht heraus zu sagen, dass unsere Lösung perfekt ist. Perfektion heißt, man bleibt stehen und das wollen wir nicht. Wir wollen weitergehen und schauen, was man alles noch gemeinsam mit den Marktteilnehmern, dem Handel und weiteren Anbietern umsetzen und wo man gemeinsam nach Lösungen suchen kann.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Im Gastrobereich wird es ja vielleicht sogar einfacher werden durch die Vorgaben ab 2023? Ich bin gespannt, wie das wird. Aber da komme ich wieder auf meine Jutetasche zurück. Wir haben ja gar keine andere Chance mehr, das muss ja dann so werden.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ja, ich finde das auch gut, auch wenn es viel in der Kritik war, gerade für die gebeutelten Unternehmen, die Gastroeinrichtungen, eine Vorgabe zu machen. Ich kann das total nachvollziehen, aber im Endeffekt ist es nicht teurer. Es ist eine Umstellung und Umstellung ist immer Veränderung. Veränderung ist etwas, was im Kopf stattfindet, und was man dann ins Tun bringen muss. Ich glaube, diesen Schritt zu gehen, wenn man den Anbieter hat, der einen auch begleitet – dann ist es auch möglich, Veränderungen voranzubringen. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Es gibt wenig Ausreden, um das nicht zu versuchen.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ich bin heute Morgen noch mal ein bisschen ins Internet gegangen und hab dann auch noch einen Anbieter gefunden, der sowas ähnliches macht wie ihr, die Boxen sind aber aus Edelstahl.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ich finde Edelstahl total gut. Edelstahl war für uns auch eine Option, aber wenn wir jetzt schauen, warum wir uns für Kunststoff entschieden haben, hat das mehrere Faktoren. Das ist natürlich ein elendig langer Anforderungskatalog. Wir wollen eine modulare Mehrwegverpackung für jede und jeden, das heißt auch: Es muss auch bezahlbar sein für jede und jeden. Edelstahl ist grundsätzlich ein sehr kostenintensives Material, was in einem Pfandsystem, so wie wir es vorhaben, ökonomisch gesehen nicht händelbar ist. Für einen bestimmten Bereich finde ich es total gut und wenn ich mir zu Hause meine Boxen angucke, sind sie auch entweder aus Glas oder aus Edelstahl. Das sind aber beides Materialien, die wir nicht einsetzen können. Glas fiel raus, weil es keine Garantie geben kann, dass nicht ein Teil abbricht und in der Theke landet. Von daher war das für uns keine Option. Wir haben sie zwar geprüft, wir haben auch Keramik geprüft, es fiel aber raus, weil wir eben nicht gewährleisten können, dass es bruchfest ist. Edelstahl hatte den ökonomischen Aspekt. Wenn ich mir überlege, dass ich 15 € Pfand nehmen muss, damit es nicht mal deckend ist, dann ist es schwierig, das in einem Pfandsystem, so wie wir es vorhaben, umzusetzen.

Nichtsdestotrotz finde ich den Ansatz total gut und ich glaube, ich wäre auch die erste, die es im Take-away nutzen würde. Also alles, was im Gastrobereich ist. Aber an der Frischetheke und im Unverpackt-Bereich im Supermarkt ist es für uns ökonomisch nicht darstellbar. Wenn ich mir überlege als Beispiel: Ich kaufe eine Edelstahlbox für 40 € oder ich hole sie mir im Pfand für 15 €. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Box zurückkommt nicht unbedingt gen 0, aber relativ gering. Und ich schließe natürlich damit auch Kunden aus.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Ich habe mir auch Gedanken gemacht über die Kennzeichnung.  Ihr habt ja unsere Etiketten, die werden ja bei euch schön mit eingemouldet. Das ist ja bei Edelstahl und Glas auch eigentlich nicht möglich, außer mit sehr, sehr teuren Lösungen. Von daher hat man dann auch eine Problematik mit den Rändern und den Kleinstlebewesen, die sich unter Umständen da absetzen.

Wie geht es jetzt weiter für euch? Ihr wollt auf jeden Fall mit den Kollegen draußen am Markt zusammenarbeiten.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ja, es ist tatsächlich so, dass wir mit vielen Marktteilnehmer*innen gesprochen haben und da eine große Resonanz sehen, was den kleinsten gemeinsamen Nenner angeht. Es gibt Schnittstellen, Schnittmengen, die jeder von uns hat, ob das jetzt die Reinigungslogistik ist oder ob das Recycling ist oder eine Art Verbandsarbeit, um dem Thema Mehrweg eine größere Stimme zu geben. Ich spreche gar nicht von der klassischen Lobbyarbeit, sondern einfach mehr Gewicht in das Thema zu bekommen. Ich glaube, dass es dort noch eine Menge Nachholbedarf gibt, dass es da einfach mehr Gesprächsbedarf gibt, als bis jetzt angenommen. Da gibt es einfach noch ganz viel gemeinsam zu bearbeiten und Synergien haben ja immer den komfortablen Zustand, dass man Dinge nicht fünfmal neu erfinden muss. Man kann gemeinsam aus Fehlern lernen oder an Möglichkeiten, die sich eröffnen, einfach gemeinsam partizipieren. Und da sehe ich einen großen Handlungsbedarf.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Abgesehen von Recycling: Habt ihr noch etwas in eurem Hinterkopf, was ihr gerne schaffen würdet?

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Also es gibt eine Menge, was wir noch schaffen wollen. Im ersten Step werden wir uns jetzt darum kümmern, in den Markt zu kommen. Dass wir die ersten Testungen erfolgreich umsetzen können und dass wir über das Thema Recycling die Verbandsarbeit gemeinsam hinbekommen. Und dass wir dann schauen, dass wir unser Portfolio erweitern. Es ist natürlich ein Ziel, dass wir die die Bereiche, die wir jetzt abdecken können, noch erweitern um die modulare Lösung: größer, kleiner, schmaler, höher.

Und dann kommen natürlich die Wahlen, die für uns ganz spannend sind, weil damit natürlich auch die Würfel eventuell neu fallen. Im Endeffekt hat die Bundesregierung schon ganz klar kommuniziert, dass es für den Bereich Mehrweg und Nachhaltigkeit einen größeren Topf geben wird, wo wir einfach gemeinsam an dem Thema arbeiten können, und da würde ich mich natürlich freuen, wenn man das tatsächlich auch gemeinsam umsetzt.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Das stimmt. Es wäre schön, wenn die Wahlen nicht nur ums Thema Covid gehen könnten oder werden, sondern auch andere Themen noch angesprochen werden.

Also ich bin am Ende meiner Fragen, nicht am Ende meines Lateins, denn ich bin natürlich jetzt schlauer als vorher. Vielen Dank für deine Zeit. Wir sind sehr stolz und ich wünsche euch weiterhin alles, alles Gute und wir sind an eurer Seite.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Ich würde mich freuen und zum Abschluss würde ich gerne auch noch mal Danke sagen, auch an die anderen Marktteilnehmer. Das meine ich gar nicht ironisch, sondern tatsächlich finde ich es gut, wenn Menschen zusammenkommen, die eine Vision tragen. Und die Vision, Mehrwegverpackungen alltagstauglich zu machen und Einwegverpackungen einzudämmen – da haben auf jeden Fall alle, die in dem Markt agieren, ein Danke verdient. Ich glaube, wenn wir jetzt noch den Handel und die Kund*innen dazu bewegen könnten, mehr Mut zu zeigen, wäre das eine gute Perspektive für uns alle.

Kirstin Heidenwag [inotec Barcode Security]

Wunderbares Schlusswort, vielen Dank.

Juliane Spieker [PFABO GmbH]

Vielen Dank dir.

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